
Die Ermittlungen haben erschütternde Einzelheiten über die Tragödie vom Samstag ans Licht gebracht. Der 24-Jährige, der sechs Menschen erschoss, soll zuvor auch seine Eltern und seine Schwester getötet haben, bevor er nach Krakau fuhr. Die beiden Polizisten, die ihn stoppten, gelten inzwischen als Nationalhelden. Polen trauert.
(Redaktion: Polen / Justiz und Gesellschaft)
Was zunächst wie ein einzelner Schusswaffenangriff auf dem Krakauer Hauptmarkt wirkte, erwies sich als blutiger Abschluss einer weitaus düstereren Tragödie. Um Mitternacht bestätigten die polnischen Behörden, dass der 24-jährige Verdächtige Michał O. seine Eltern und seine Schwester getötet haben soll, bevor er nach Krakau fuhr und das Feuer auf Passanten eröffnete.
Der grausige Fund
Nach Informationen polnischer Medien fanden Antiterroreinheiten drei Leichen — zwei Männer und eine Frau — im Elternhaus der Familie in Ostrowiec Świętokrzyski. Ministerpräsident Donald Tusk bestätigte, dass Spezialeinheiten zunächst eine Drohne in die Wohnung geschickt hatten, bevor sie das Gebäude betraten. Die Aufnahmen zeigten die leblosen Körper. Damit stieg die Gesamtzahl der Todesopfer auf neun.
Die Ermittler versuchen nun, den genauen zeitlichen Ablauf der Ereignisse zu rekonstruieren. Ersten Informationen zufolge soll der junge Mann seine Familie getötet und anschließend die Fahrt nach Krakau angetreten haben. Dort soll er bereits am Freitag angekommen sein, möglicherweise um ein Fußballspiel der örtlichen Mannschaft zu besuchen.
Die Polizisten im Einsatz
Während die Ermittlungen weitergehen, würdigt Polen die eingesetzten Polizisten. Ministerpräsident Donald Tusk nannte die Namen der beiden Beamten, die nur 23 Sekunden nach dem Notruf eingriffen und den Verdächtigen stoppten: Jakub Kulik und Artur Morański.
Der 30-jährige ehemalige Soldat Jakub Kulik wurde während des Schusswechsels von drei Kugeln getroffen. Sein Zustand ist kritisch; eine seiner Lungen ist schwer geschädigt. Die Behörden riefen dringend zu Blutspenden auf. Aufnahmen des Einsatzes zeigen, wie einer der verletzten Beamten weiterfeuerte und den Verdächtigen außer Gefecht setzte, bevor er selbst zusammenbrach.
Wer war der Verdächtige?
Michał O. war 24 Jahre alt und stammte aus Ostrowiec Świętokrzyski. Er hatte eine Berufsausbildung im Bereich Kraftfahrzeugtechnik abgeschlossen und interessierte sich für Fußball. Nachbarn beschrieben ihn als „höflichen, ruhigen und zurückhaltenden jungen Mann, der nie Anlass zu Misstrauen gegeben habe“.
Die Ermittler entdeckten jedoch eine weitaus beunruhigendere Seite seines Profils. Innenminister Marcin Kierwiński erklärte, der junge Mann habe „radikale ultranationalistische Ansichten“ vertreten und sei „von rechtsextremen Ideologien fasziniert“ gewesen. Die Behörden untersuchen nun seine Online-Aktivitäten, um festzustellen, ob er von extremistischen Gruppen radikalisiert worden war.
Der Verdächtige besaß eine gültige Waffenbesitzgenehmigung für zwei Gewehre. Sein 52-jähriger Vater verfügte über eine Sammlung von elf Schusswaffen. In dem beim Angriff verwendeten und auf den Vater zugelassenen Auto fand die Polizei ein halbautomatisches Gewehr vom Typ AR-15, Hunderte Patronen, ein Bajonett und einen Militärrucksack. Der junge Mann trug eine vollständige taktische Ausrüstung: Tarnuniform, Helm und schusssichere Weste.
Internationale Reaktionen und Staatstrauer
Die Tragödie löste eine Welle internationaler Solidarität aus. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj übermittelte eine Botschaft: „Ein schockierendes Verbrechen in Krakau. Dieser Angriff lässt sich durch nichts rechtfertigen.“ Rumäniens Präsident Nicușor Dan erklärte, Rumänien stehe „in dieser schwierigen Zeit solidarisch an der Seite Polens und seiner Bevölkerung“.
Der polnische Präsident Karol Nawrocki unterzeichnete einen Erlass, mit dem Sonntag und Montag zu nationalen Trauertagen erklärt wurden. Ministerpräsident Donald Tusk appellierte an alle Politiker, die Tragödie nicht für Wahlkampfzwecke zu instrumentalisieren.
Fazit
Krakau erwacht nach einem der schwersten Angriffe seiner jüngeren Geschichte. Neun Menschen kamen ums Leben: sechs auf einem von Touristen bevölkerten Platz und drei in einer Wohnung außerhalb des Stadtzentrums. Zwei Polizisten kämpfen um ihr Leben. Ein ganzes Land versucht zu begreifen, wie ein scheinbar gewöhnlicher junger Mann eine solche Gräueltat begehen konnte. Die Ermittlungen haben gerade erst begonnen. Eines steht fest: Unabhängig davon, welche Gründe Michał O. zu seiner Tat bewegten, Polen wird nicht mehr dasselbe sein.






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