
Eine neue Welle von Betrugsversuchen breitet sich in Frankreich, Spanien und Belgien aus. Betroffene erhalten von bekannten Kontakten die Bitte, für die Tochter eines Freundes bei einem Wettbewerb abzustimmen. Hinter der harmlos wirkenden Bitte steckt eine sogenannte „Ghost-Pairing“-Masche: Wer einen Bestätigungscode eingibt oder ein unbekanntes Gerät verknüpft, kann Betrügern Zugriff auf sein WhatsApp-Konto geben. Anschließend bitten sie alle Kontakte um Geld.
(Redaktion: Frankreich & Europa / Technologie & Sicherheit)
Viele Menschen glauben, Phishing inzwischen sofort zu erkennen. Betrüger nutzen deshalb eine subtilere Methode: Sie missbrauchen Vertrauen. Stellen Sie sich vor, Sie erhalten eine WhatsApp-Nachricht von einem engen Freund. Er bittet weder um Geld noch meldet er einen Notfall, sondern möchte nur, dass Sie „Sophie“ oder „Eliska“, der Tochter von Freunden, über einen Link zum Sieg in einem Wettbewerb verhelfen.
Die Nachricht wirkt glaubwürdig, weil sie von einer vertrauten Person stammt. Tatsächlich kann sie in eine besonders wirksame digitale Falle führen.
Eine scheinbar harmlose Bitte
Französische Cybersicherheitsbehörden melden seit dem vergangenen Wochenende einen deutlichen Anstieg solcher Versuche. Auch spanische und belgische Medien berichten über ähnliche Fälle. Die Nachrichten kommen von gespeicherten Kontakten und nicht von unbekannten Nummern, wodurch die Empfänger weniger misstrauisch werden.
Der Link führt zu einer gefälschten Wettbewerbsseite mit Fotos, Ranglisten und Abstimmungsbuttons. Um die Stimme zu bestätigen, verlangt die Seite die Telefonnummer.
Der Trick mit dem Bestätigungscode
Nach Eingabe der Nummer schickt WhatsApp eine Verifizierungsbenachrichtigung. Sie hat nichts mit der Abstimmung zu tun: Die Täter versuchen, ein weiteres Gerät mit Ihrem Konto zu verknüpfen, während Sie glauben, Ihre Stimme zu bestätigen.
Wenn Sie den Code auf der gefälschten Seite eingeben oder eine unbekannte Verbindung zulassen, gewähren Sie den Angreifern Zugriff. Sie missbrauchen die Funktion für verknüpfte Geräte von WhatsApp – eine Methode, die als „Ghost Pairing“ bezeichnet wird. Geben Sie Ihren WhatsApp-Bestätigungscode niemals weiter und bestätigen Sie keine Verbindung, die Sie nicht selbst gestartet haben.
Vom Opfer zum unwissenden Helfer
Nach dem Zugriff können Eindringlinge möglicherweise Chats lesen, Kontakte einsehen und Nachrichten in Ihrem Namen versenden.
Jérôme Notin, Leiter der französischen Plattform Cybermalveillance, erklärt, dass Betrüger häufig dringende Überweisungen von den Kontakten des Opfers verlangen und dafür etwa einen medizinischen Notfall vortäuschen.
Um die Spuren zu verwischen, löschen die Täter möglicherweise die gesendeten Nachrichten. Der Kontoinhaber bemerkt den Missbrauch daher unter Umständen nicht sofort.
So schützen Sie sich
Meta, der Mutterkonzern von WhatsApp, rät zu besonderer Vorsicht. Klicken Sie nicht auf unerwartete Links, auch wenn sie von Freunden stammen. Rufen Sie die Person an oder fragen Sie über einen anderen Kanal nach, ob sie die Nachricht tatsächlich verschickt hat. Ihr Konto könnte bereits kompromittiert sein.
Falls Sie bereits mit der Seite interagiert haben, gehen Sie sofort wie folgt vor:
- Verknüpfte Geräte prüfen: Öffnen Sie in WhatsApp die Einstellungen und wählen Sie „Verknüpfte Geräte“. Melden Sie unbekannte Browser oder Geräte ab.
- Zwei-Schritt-Verifizierung aktivieren: Öffnen Sie Einstellungen → Konto → Verifizierung in zwei Schritten und richten Sie eine PIN ein. Das erhöht den Schutz, ersetzt aber nicht die Vorsicht bei unbekannten Geräteverbindungen.
Fazit
Der Betrug mit der „Tochter von Freunden“ zeigt, dass menschliches Vertrauen eine zentrale Schwachstelle der digitalen Sicherheit ist. Kriminelle nutzen Hilfsbereitschaft aus, statt Server zu hacken. Eine Stimme für einen unbekannten Wettbewerb ist es nicht wert, das eigene Konto oder das Geld von Freunden zu gefährden. Seien Sie bei unerwarteten Links und Verifizierungsanfragen vorsichtig – selbst wenn sie scheinbar von Bekannten kommen.






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