Eine gigantische Metallkonstruktion, so hoch wie ein zehnstöckiges Gebäude, wurde in einer äußerst präzisen, beinahe militärischen Operation über das Wasser bewegt. Die neue Piramidebrug, die offiziell an der Grenze zwischen Gent und Evergem eröffnet wurde, dient nicht nur dem Straßenverkehr und Radfahrern, sondern bietet auch einen grünen Korridor für Wildtiere.
(Redaktion: Belgien / Ingenieurwesen und Umwelt)
Die belgische Ingenieurskunst hat einen neuen Höhepunkt erreicht. An der Grenze zwischen Gent und Evergem, über dem Ringvaart-Kanal, wurde am 17. Oktober 2026 eine der spektakulärsten Brücken der Region offiziell eröffnet. Die Piramidebrug (Pyramidenbrücke) ist mehr als eine Querung: Sie ist ein Meisterwerk moderner Ingenieurtechnik, das Verkehr und Umweltschutz miteinander verbindet.
Die Zahlen hinter einem Koloss aus Stahl und Beton
Laut den offiziellen Angaben des belgischen Bauunternehmens BESIX, das am Bau beteiligt war, sind die Ausmaße der Brücke beeindruckend:
- Länge: 106 Meter
- Breite: 53 Meter (etwa so breit wie ein Fußballfeld)
- Höhe: rund 30 Meter (die Höhe eines zehnstöckigen Gebäudes)
- Gesamtgewicht: 6.687 Tonnen
Die markante, von Kabeln getragene Pyramidenform macht die Brücke zu einem weithin sichtbaren Wahrzeichen im Hafengebiet von Gent.
Eine spektakuläre Aktion: 2.600 Tonnen über das Wasser bewegen
Einer der schwierigsten Schritte erfolgte im März 2026: Das rund 2.600 Tonnen schwere Stahlgerüst wurde an Land auf einem eigens vorbereiteten Gelände neben dem Kanal montiert.
Anschließend koordinierten Dutzende Fachleute eine äußerst präzise Verlagerung. Die Konstruktion wurde auf spezielle Transportplattformen geladen, die von Pontons gestützt wurden und enorme Lasten bewegen konnten. Ein ganzes Wochenende lang wurde der Stahlkoloss schrittweise vom Ufer weg, über den Ringvaart-Kanal transportiert und millimetergenau auf den vorbereiteten Auflagern positioniert.
Eine seltene Lösung: ein grüner Korridor für Tiere
Neben ihrem imposanten Erscheinungsbild und ihrer Funktion zur Entlastung des Straßenverkehrs besitzt die Pyramidenbrücke eine seltene und wichtige ökologische Funktion. Die Behörden planten einen großzügigen ökologischen Korridor in die Konstruktion ein.
Laut dem Projekt R4WO verfügt die Brücke neben einer schnellen Radverbindung auch über eine breite Querung für Wildtiere. Diese integrierte Grünbrücke ermöglicht heimischen Tieren – darunter kleine Säugetiere, Amphibien und wirbellose Tiere – eine sichere Überquerung des Kanals, ohne zum Wasser hinabsteigen zu müssen oder von Fahrzeugen erfasst zu werden. In einem Europa, dessen Lebensräume zunehmend durch Infrastruktur zerschnitten werden, zeigt diese Lösung, dass wirtschaftliche Entwicklung und der Schutz der Artenvielfalt vereinbar sind.
Ein Fest für die Gemeinschaft
Die Eröffnung der Brücke wurde für die Anwohner zu einem Fest. Nach Angaben des flämischen Senders VRT nahmen etwa 3.000 Menschen an der Veranstaltung am 17. Oktober teil. Sie durften die Brücke betreten und überqueren, bevor sie offiziell für den Verkehr freigegeben wurde. Das Programm umfasste unter anderem Zirkusvorführungen, Karussells und Foodtrucks.
Die Brücke ist Teil eines umfangreichen Infrastrukturmodernisierungsprojekts für R4 West und Oost. Geplant sind unter anderem die Modernisierung von 22 Kreuzungen und 27 Kilometern Radinfrastruktur.
Fazit
Die Pyramidenbrücke bei Gent ist mehr als eine technische Lösung, um einen Kanal zu überqueren. Sie steht für Belgiens Anspruch, mutige Infrastruktur zu schaffen, die den Menschen dient und zugleich Raum für andere Lebewesen lässt. Vom Transport von 2.600 Tonnen Stahl über das Wasser bis zur Integration eines grünen Wildtierkorridors zeigt das Projekt: Bauen muss nicht im Widerspruch zur Natur stehen, sondern kann so gestaltet werden, dass es sie schützt.






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