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by Tomeci Press Publications

Africa and its regions

Vom pharaonischen Ägypten bis zum Mali-Reich, von Aksum bis Groß-Simbabwe: Die Geschichte Afrikas ist reich an hochentwickelten Zivilisationen. Kolonialismus und Sklaverei haben die Entwicklung verzerrt, aber frühere Errungenschaften nicht ausgelöscht. Die Antwort hängt von den Kriterien, der Epoche und der Region ab.

In einer Online-Diskussion fragte jemand, ob es jemals eine Epoche der Geschichte gegeben habe, in der Afrika weiter entwickelt war als Europa. Die Antworten waren ebenso vielfältig wie leidenschaftlich. Einige betonten, dass Afrika ein riesiger Kontinent und keine einheitliche Geschichte ist, während andere konkrete Beispiele afrikanischer Zivilisationen nannten, die aufblühten, als große Teile Europas noch von Wäldern und Sümpfen bedeckt waren.

Was bedeutet „fortgeschritten“ überhaupt?

Die Debatte stößt sofort auf ein Definitionsproblem. Welche Kriterien legen wir zugrunde? Schrift? Landwirtschaft? Metallurgie? Städte? Steinarchitektur? Handel? Medizin? Mathematik? Je nach den gewählten Kriterien fällt die Antwort unterschiedlich aus.

Betrachtet man Schrift, monumentale Architektur und staatliche Organisation, gibt es in Afrika Beispiele, die in bestimmten Epochen mit dem zeitgenössischen Europa konkurrierten oder ihm überlegen waren. Das pharaonische Ägypten ist das bekannteste Beispiel, aber keineswegs das einzige.

Ägypten, Nubien, Aksum: Zivilisationen am Nil und am Horn von Afrika

Das alte Ägypten errichtete Pyramiden, Tempel und einen hochentwickelten bürokratischen Staat, während das Gebiet von Rhein, Maas und Schelde laut einem Kommentator „ein Sumpfdelta“ war. Südlich von Ägypten entwickelte das Reich Nubien (Kusch) eigene Pyramiden, eine beeindruckende Architektur und war für seine Bogenschützen bekannt. Später errichtete das Reich Aksum (im heutigen Äthiopien) am Horn von Afrika gewaltige Obelisken, prägte Münzen und entwickelte mit Ge’ez ein eigenes Schriftsystem.

Mali, Timbuktu und der Reichtum der Sahelzone

In Westafrika erreichte das Mali-Reich im 14. Jahrhundert seinen Höhepunkt. Mansa Musa, sein Herrscher, gilt für manche Historiker als der reichste Mensch der Geschichte. Timbuktu wurde zu einem intellektuellen Zentrum mit Universitäten, Bibliotheken und Tausenden von Manuskripten. Der Handel mit Gold, Salz, Elfenbein und Kolanüssen machte Mali zu einem der wohlhabendsten Staaten seiner Zeit. Später setzte das Songhai-Reich diese Tradition fort.

Groß-Simbabwe und die Königreiche des südlichen Afrika

Im Süden des Kontinents errichtete Groß-Simbabwe zwischen dem 11. und 15. Jahrhundert gewaltige Steinmauern ohne Mörtel. Portugiesen, die später in die Region kamen, waren von der Größe der Ruinen beeindruckt. In derselben Region war das Kongo-Reich eine komplexe staatliche Struktur, während die Königreiche Benin und Ifé (im heutigen Nigeria) naturalistische Bronzen und Skulpturen von außergewöhnlicher Qualität hervorbrachten. Die Nok-Kultur beherrschte die Eisenmetallurgie lange vor der Ankunft der Europäer in diesen Gebieten.

Europa war nicht überall gleich weit entwickelt

Wichtig ist auch, dass Europa selbst nie ein einheitlicher Block war. Während Griechenland und Rom Zentren der Zivilisation waren, waren andere Regionen des Kontinents deutlich weniger entwickelt. Nordafrika gehörte zum Römischen Reich, und Karthago war eine bedeutende Handelsmacht. „Afrika“ und „Europa“ als zwei homogene Einheiten miteinander zu vergleichen, ist eine Vereinfachung, die enorme Unterschiede verdeckt.

Kolonialismus, Sklaverei und historische Einschränkungen

Mehrere Kommentatoren betonten, dass der europäische Kolonialismus und der transatlantische Sklavenhandel funktionierende politische und wirtschaftliche Strukturen zerstörten. Andere wiesen darauf hin, dass schon vor dem Kolonialismus nicht alle Regionen Afrikas gleich entwickelt waren und einige Reiche aus inneren Gründen verfielen. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich dazwischen: Der Kolonialismus beschleunigte und vertiefte einen Niedergang, der an manchen Orten bereits begonnen hatte, kann aber nicht als einzige Ursache betrachtet werden.

Gegenargumente: Afrika war nie einheitlich

Einige Teilnehmer verwiesen auf die San (Khoisan) im südlichen Afrika, Jäger und Sammler mit außergewöhnlichen ökologischen Kenntnissen, die in Wüsten überleben können, in denen ein Europäer verdursten könnte. Aus ihrer Perspektive bedeutet „fortgeschritten“ etwas völlig anderes. Ebenso leben manche indigene Gemeinschaften im Amazonasgebiet ohne moderne Technologie, verfügen aber über ein tiefes Verständnis ihrer Umwelt.

Fazit

Ja, es gab Zeiten und Regionen, in denen Afrika weiter entwickelt war als Europa. Ägypten, Nubien, Aksum, Mali, Groß-Simbabwe, Benin, Ifé und Kongo sind nur einige Beispiele. Zu sagen, Afrika sei „immer zurückgeblieben“ gewesen, ist eine falsche Verallgemeinerung; ebenso falsch wäre die Behauptung, Afrika sei „immer weiter entwickelt“ gewesen. Die Geschichte ist ein Netzwerk von Zivilisationen, die je nach Umwelt, Ressourcen, Handel und der Politik der Großmächte zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichem Tempo aufblühten und verfielen. Die richtige Antwort lautet nicht einfach „ja“ oder „nein“, sondern „es kommt darauf an“.

(Redaktion: Afrika & Europa / Geschichte & Zivilisationen)

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